Thomas Wirtenberger – Flugzeugfotografie

 

Diese Anleitung erklärt die grundliegenden Schritte der digitalen Bildnachbearbeitung, im speziellen

hinsichtlich Flugzeugfotografie.

 

Ich verwende Adobe Photoshop 7. Der hier beschriebene Weg funktioniert für meine Fotos sehr

gut. Es können natürlich, abhängig von der Qualität des Originalfotos oder der verwendeten Kamera

Probleme auftreten, die mit den hier beschriebenen Schritten nicht zu lösen sind. Prinzipiell sollte

jedoch jeder eine Ahnung bekommen, was mit digitalen Fotos möglich bzw. notwendig ist um die

Qualität zu verbessern und so auch weniger Probleme beim Upload auf z.B. Flugzeugbilder.de zu haben.

 

Bitte um Berücksichtigung, daß die enthaltenen Screenshots komprimiert sind um die Dateigröße

in Grenzen zu halten. Es ist also nicht 100% ersichtlich wie das Foto im jeweiligen Bearbeitungs-schritt wirklich aussieht.

 

Für das Foto wurde eine digitale Spiegelreflexkamera verwendet – Canon EOS 300D mit einem

Canon EF Objektiv (28-105mm). Die Brennweite betrug 105mm, fotografiert habe ich mit „TV“ (Blendenautomatik). Belichtungszeit 1/800 sek. / ISO 100 / Blende 10. Das Originalfoto

ist im RAW-Format – natürlich kann man mit einer JPEG Datei im Original genauso mit der Anleitung

arbeiten.

 

Bitte nicht vergessen: Immer eine Sicherungskopie des Originalfotos vor der Bearbeitung erstellen!

 

 

Also legen wir los! So hat das Originalbild grundsätzlich ausgesehen. Ziemlich unterbelichtet (Belichtungskorrektur der Kamera war auf -1 gestellt um Überbelichtungen bei grellem Sonnenschein zu verhindern), soft (also nicht scharf genug) und unzentriert.

Wir werden diese grundlegenden Probleme Schritt für Schritt beseitigen.

 

 

 

Der erste Schritt ist die korrektur der Belichtungs-/Helligkeitswerte bzw. des Kontrastes. Es ist ein

unkonventioneller Weg dies so zu tun, funktioniert für mich aber sehr gut. Im Menüpunkt „Einstellungen/Tonwertkorrektur“ kann man sich mit dem Histogramm des Fotos einen Überblick

über die Belichtungssituation verschaffen

 

 

Grundsätzlich verwende ich hier nur den Schieberegler in der Mitte um das Foto aufzuhellen (Regler nach links) oder zu verdunkeln (Regler nach rechts). Den Rest der Feinjustierung erledige ich

lieber mit dem Menüpunkt „Helligkeit/Kontrast“.

Ein „perfekt“ belichtetes Foto sollte ein ausgeglichenes Diagramm aufweisen. In meinem Beispiel

„fehlen“ auf der rechten Seite Pixel (also Diagrammspitzen) – das ist ein Indiz für ein unterbelichtetes

Foto, bei Überbelichtung wäre der linke Teil des Diagramms leer.

 

Man könnte in diesem Fall den rechten Schieberegler nach links ziehen um die Unterbelichtung auszugleichen, allerdings mache ich diese Einstellung wie bereits erwähnt mit Helligkeit/Kontrast, da die Ergebnisse in der Tonwertkorrektur nicht immer zufriedenstellend sind. Am besten einfach mal ausprobieren was so passiert wenn man mit den Schiebereglern herumspielt – wir haben ja hoffentlich eine Sicherungskopie gemacht ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt kommen wir zur bereits angesprochenen Helligkeit/Kontrasteinstellung. Hier gibt es keine fixen Einstellungswerte. Man beurteilt einfach das Foto und verringert/erhöht die Werte bis das Bild

„gut ausschaut“. Da muß jeder für sich selber entscheiden wann die Balance richtig ist.

 

 

Achtung! Zu viel Helligkeit macht das Foto blass und farblos. Zu viel Kontrast macht es zu dunkel und

erzeugt überbelichtete Stellen, speziell bei weißen Bildteilen wie Wolken oder weißen Flugzeugteilen.

 

Also vorsichtig an die korrekten Einstellungen herantasten.

 

 

Hier sieht man die verwendeten Werte, die ungewöhnlich hoch sind. Aber nachdem das Original

stark unterbelichtet war, musste ich hier ziemlich hart rangehen.

 

 

 

 

 

 

Der nächste Punkt ist Farbton/Farbsättigung. Prinzipiell kann man hier einen Wert zwischen

8-15 benutzen um kräftige Farben zu erzeugen – allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, da bei

zu hohen Werten unnatürliche Farben entstehen. Mit dem Punkt „Farbbalance“ – der hier nicht miteinbezogen wurde, da nicht notwendig – kann man eventuelle Farbstiche im Bild korrigieren.

Hat das Foto z.B. einen Blaustich schiebt man den Regler „Blau“ einfach in die entgegengesetzte

Richtung um einen Farbausgleich zu erzielen.

 

 

 

 

Nun wird der Bildausschnitt festgelegt. In diesem Beispiel ist es ratsam das Flugzeug in die Mitte des Bildes zu bringen und möglichst knapp links und rechts zuzuschneiden, da außer dem Himmel (und dem Flieger) nichts zu sehen ist. Wenn man einen interessanten Hintergrund hat oder die Natur des

Bildes einfach mehr Raum verlangt, oder vielleicht sogar eine unzentrierte Lage des Flugzeuges, dann kann man das natürlich auch machen – kommt immer auf das Motiv an. Also einfach mit dem Freistellungswerkzeug den Ausschnitt festlegen und ENTER drücken.

 

 

 

 

Der nächste Schritt ist das reduzieren der Bildgröße. 1024 Pixel sollten absolut reichen. Für einen Upload oder Ansicht am Bildschirm ist keine höhere Auflösung notwendig – außerdem kaschiert

ein kleineres Fotoformat eventuelle Fehler die das Foto hat viel besser. Bei einem hochauflösenden

Bild mit z.B. 1600 Pixel erkennt man Unschärfen oder Bildrauschen viel eher.

 

 

 

Jetzt kommt einer der wichtigsten Schritte – das richtige Schärfen des Bildes.

Unscharfe Bilder kann man mit keiner Software auf dieser Welt retten – das ist leider so. Ein softes Ausgangsbild ist für Digitalkameras aber vollkommen normal und auf jeden Fall behebbar.

 

Das beste Tool hierfür ist USM (Unscharf maskieren). Man erhält die beste Kontrolle über den

Schärfungsprozess. Die Werte für Radius und Schwellenwert lasse ich immer gleich. Warum auch

immer, diese Einstellungen funktionieren perfekt so wie sie sind (0,3/3)

 

Es gibt 100 verschieden Methoden USM anzuwenden. Manche Fotografen schärfen mit geringeren

Stärkewerten 3-5 Mal, andere ein wenig vor der Größenänderung, und nachher noch ein wenig. Ich

mach das ganze in einem einzigen Schritt und es funktioniert ganz gut. Aber immer zuerst die Bildgröße ändern und dann schärfen!!

 

Diese Methode ist zwar etwas arbeitsintensiv aber es zahlt sich aus. Die Stärke der Schärfung

ist zwischen 1-500% einstellbar. Werte zwischen 300-500% verwende ich in der Praxis. Alles unter 300% ist nicht wirklich lohnend. Man muß diesen Wert dem jeweiligen Foto anpassen. Hier braucht wirklich jedes Bild seine eigene Einstellung, die man wiederum selber entscheiden muß – durch Hinschauen ;-) Schaut das Bild scharf aus? Ja? ok.

 

Das wichtige und raffinierte an der Sache ist jedoch, den Schärfungsprozess auf einer Ebenenkopie zu machen um entstehende Überschärfungen wie z.B. Zick-Zacklinien an den Flügelkanten oder weiße „Heiligenscheine“ rund um den Flugzeugkörper im Nachhinein mit dem „Radiergummi“ auszuradieren. So muß man keine Kompromisse bei der Schärfe des Fotos machen, da alle unerwünschten Effekte einfach wegradiert werden können.

 

 

 

 

 

 

Hier die notwendigen Schritte:

 

Mit OK bestätigen – jetzt arbeiten wir auf einer Hintergrundkopie

Und nun ins USM Menü:

 

 

 

 

In diesem Fall reichen 350% Stärke vollkommen aus. Natürlich sieht man jetzt im Original die erwähnten Überschärfungseffekte, die wir einfach mit dem Radiergummi wegradieren. Als Pinselgröße verwende ich „3“ und stelle das Ansichtsformat auf 200%. So kann man die überschärften Stellen am

besten sehen und ausradieren – wie mit einem echten Radiergummi.

 

Wichtig!

Man muß den Wert “Deckkraft” des Radiergummis an die jeweilige Stelle des Fliegers anpassen die man gerade bearbeitet, da sonst das Foto im Eimer ist – wenn zB. alles mit 100% Deckkraft ausradiert wird. Weiter unten habe ich die wichtigsten Werte aufgelistet.

 

 

 

 

Deckkraftwerte:

 

Weiße Umrandungen Flugzeugkörper/Fahrwerk/Heckflosse....: 52% - 65%

Airlinebeschriftung oder sonstige (größere) Aufschriften: 27% - 35%

Registrierung: 30%

Logos (speziell Heckflossenlogos): 40% - 60%

Alle Flügel/Ruderkanten....: 90%-100%

Cockpitfenster - Umrahmungen: 45%-50%

Dekorstreifen (wie zB. Air Berlin Lackierung): 50%-100% Achtung, hier spreizen sich die notwendigen

Werte ziemlich.

 

Man fängt immer mit einem geringeren Deckkraftwert an und erhöht diesen wenn die Zick-Zacklinien

(im englischen Jaggies genannt) oder die weißen Umrandungen (Halos) nicht weggehen (das Ergebnis immer wieder mit 100% Ansicht nachkontrollieren !!!!!)

 

Wenn man fertig ist und der Gesamteindruck des Fotos in Ordnung ist kann man die beiden Ebenen

wieder miteinander verbinden und das Schärfen ist abgeschlossen.

 

 

 

Der letzte Schritt ist das Speichern. In PS immer mit Qualitätsstufe „12“ speichern. So verhindert man JPEG-Komprimierung und die Dateigröße ist immer noch unter dem Uploadlimit (vorausgesetzt, das Foto ist 1024Px groß).

 

 

 

 

 

Und hier ist das Endergebnis:

 

http://www.planepictures.net/netshow.php?id=539853

 

 

Ich habe einige Themenpunkte ausgelassen um den Rahmen dieses Tutorials nicht zu sprengen:

 

-          Fotos müßen immer am Horizont ausgerichtet sein. Ein Haus/Berg/Laterne im

-          Hintergrund muß gerade sein!

-          Die sogenannten Dustspots (Staubflecken) die am CMOS Sensor kleben und am Foto

      sichtbar sind

-          Schlechtwetterfotografie mit hohen ISO Werten und evtl. Bildrauschen

-          Der richtige Ausschnitt bei Nahaufnahmen

 

Ich werde diese Punkte in naher Zukunft schriftlich aufbereiten und zur Verfügung stellen.

 

 

Dieses Dokument inkl. aller Grafiken ist Copyright Thomas Wirtenberger. Das Dokument kann downgeloaded, ausgedruckt und weitergegeben werden – aber bitte keine Veränderungen ohne mein Einverständnis durchführen.

 

Das wichtigste zum Schluß: Fotografiere für Dich selber – nicht für eine Webseite!

 

Bei Fragen, Anregungen oder Beschwerden bin ich unter u.a. E-Mail Adresse gerne erreichbar.

 

thomas.wirtenberger -at- yahoo.de

 

Eine letzte Sache noch. Wir fotografieren immer mit der Sonne im Rücken, außer……

 

http://www.planepictures.net/netshow.php?id=441412

 

....aber das ist eine andere Geschichte ;-)

 

 

Grüße

 

Thomas Wirtenberger

 

Planepictures.net Senior Screeningteam